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Barbara, geb. Müller und Johann Georg Rothaug - Großeltern

Helene und Philipp Rothaug - Eltern

1953 - Josef und Anna

Elisabeth Nowak, geb. Niedenthal - Großmutter
Die Kolonie Steinau, Bez. Nisko, Galizien, im Dreieck San-Weichsel gelegen, wurde 1782 gegründet. [...] Die Kolonie Steinau hatte einen sehr schönen Hochwald von 100 Joch. Da bei der Gründung der Kolonie im Grundbuche nichts vom Walde erwähnt ist, haben sich die Kolonisten den Wald gleich selbst angepflanzt. Ferner hatte die Gemeinde zwei Hutweiden [...] Die guten Milchkühe wurden auf einem brachliegendem Acker [...] geweidet. Ferner hatte die Gemeinde etwas Acker – Waldäcker genannt – und eine große Wiese [...] Im Jahre 1831 war in Steinau die Choleraepidemie ausgebrochen und soll verheerend gewesen sein. Nach dem Erzählen von alten Leuten sind ganze Familien ausgestorben, die Häuser sind leer stehen geblieben und die Fenster und Türen wurden mit Brettern vernagelt. Die Leichen wurden auf dem separaten Cholerafriedhof hinter dem Dorfe, am Neufeldweg, auf Günthers Sandfeld von Nr. 1 beerdigt. Ein Totenhaus stand auch auf dem Friedhof, und als kleiner Junge kann ich mich an die vielen Grabhügel und das Totenhaus erinnern. Im Jahre 1892 wurden die Gräber eingeebnet, das Totenhaus abgerissen und der Friedhofplatz dem Günther bzw. Herold Peter von Nr. 1 übergeben. Im Jahre 1804 hatten sich die Steinauer ein Bethaus aufgestellt und im Jahre 1847/48 wurde im Steinau im Mitteldorf auf einem breiten, freien Platz die Kirche aufgebaut, hinter der Kirche war der Friedhof. Steinau war an die Muttergemeinde Ranischau, mit dem Pfarrsitz und 11 km westlich von gelegen, angeschlossen. [...] Nach dem Erzählen der alten Leute wurden die Trauungen anfänglich in der katholischen Kirche in Jeżowe gehalten. Wie lange dieser Zustand anhielt, entzieht sich meiner Kenntnis. Aus den Kirchenbüchern ist ersichtlich, dass mein Urgroßvater – Anton Reinberger – am 15. 7. 1805 in Steinau getraut wurde. Folglich muss damals schon ein Bethaus in Steinau bestanden haben. [...] Im Jahre 1880 wurde in Steinau ein neues, schönes und großes Schulgebäude gegenüber der Kirche aufgebaut. Steinau war ein schönes, großes Dorf. Die Häuser waren alle mit der Giebelseite zur Strasse aufgebaut und nur das Schulhaus stand mit der Längsseite zur Strasse. Steinau war in ein Oberdorf, Mitteldorf und Unterdorf mit je 60 bis 100 Meter Abstand eingeteilt.
Am Anfang des Dorfes im Oberdorf war ein Großer Teich (Weiher), und zwischen dem Mitteldorf und Unterdorf war ein kleiner Teich (Weiher) von ungefähr 800 Quadratmeter Größe, damit wurde für eventuelle Feuerbrände vorgesorgt.
Im Spätherbst wurde im Walde gemeinschaftlich durch die Gemeinde Streusel gerecht. [...] Im Winter wurde im Walde für die ganze Gemeinde das Brennholz angeschlagen, bzw. auch Bauholz [...] Das Holz wurde auch gleich im Winter zerkleinert und unter dem Holzschuppen zum Trocknen aufgeschichtet. [...] Im Jahre 1902 begann die Auswanderung aus Steinau. [...] Steinau war ein sehr schönes Dorf. Die Häuser waren mit der Giebelseite zur Strasse gebaut, eine Ausnahme bildete nur die Schule. Jede Wirtschaft bestand aus einem Wohnhaus, Kuh- und Pferdestall, Schweinestall mit Holzschuppen und dann noch meist ein gemauerter Keller mit Fruchtspeicher. Die Scheune stand weit nach hinten, so dass zwischen Haus und Scheune ein großer Hofraum war, in dessen Mitte sich die Düngegrube (´Meschtkaud´) befand. Die Kirche stand in der Mitte des Dorfes auf einem freien Platze, mit dem hochragenden Turm weit und breit sichtbar und hörbar, wenn die Glocken läuteten. [...] Die Schule gegenüber der Kirche gelegen hatte ihre eigene Glocke. Ferner besaß sie einen großen Schulgarten, in dem der Lehrer den Schülern verschiedene Aufklärung über den Anbau von Gemüse und Obstbäumen und ihre Pflege gab. Im ersten Weltkrieg ist durch die Unvorsichtigkeit eines österreichischen Soldaten das ganze Mitteldorf mit Schule und ein Teil des Unterdorfes abgebrannt. Die Kirchenruine wurde nach Kriegsende abgetragen. Geld zu Aufbau einer neuen Kirche war nicht vorhanden, und für die sechs deutschen Familien, die noch in Steinau zurückgeblieben waren, wäre auch ein Neubau nicht angebracht gewesen. Die Schule wurde zwar wieder aufgebaut, war aber seit dieser Zeit polnisch und die Eltern, die ihre Kinder einen deutschen Unterricht zukommen lassen wollten, mussten sie nach Königsberg oder Hohenbach geben, was mit großen Unkosten verbunden war. [...] Nach dem entwässern und Drainieren wurde dann auf breite Beete, bzw. auf die ganze Feldbreite geackert. Gesät wurde alles mit der Hand. Ebenso wurde bis zu dieser Zeit mit der Sichel die Frucht geschnitten, erst später wurde mit der Sense (Reff) gehauen. Gedroschen wurde mit dem Flegel. Im Jahre 1890 wurde die erste fahrbare Dreschmaschine mit Schüttelwerk und Handbetrieb [...] gekauft. Das Dreschen ging nur spielend leicht, und bei gegenseitiger Hilfe war das Getreide bald ausgedroschen. Um 1900 waren in Steinau schon viele Dreschmaschinen mit Göpel. [...] Steinau hatte auch eine schöne Pferdezucht.“
Einsiedlerhaus in Steinau
Folgendes über den alten deutschen Friedhof in Steinau habe ich aus einem Manuskript in polnischer Sprache zum Buch „Steinau koło Kamienia” (Steinau bei Kamień) von Tadeusz Waldemar Kraus übersetzt:
„Selig sind die Toten [...]
Geblieben ist auch auf einer grossen Familiengrabstelle ein Grabmal mit einem grossen Stein auf dem zu lesen ist: Nicolaus Porth, die restliche Schrift wurde vernichtet, zerschlagen, Christi Statue aus Eisen zerbrochen. Es ist das Grab des berühmten Gemeindevorsteher Porth, der kurz vor dem zweiten Weltkrieg gestorben war. Nicolaus Porth übte 18 Jahre lang das Gemeindevorstehersamt aus. Am tag der Beerdigung überstieg der Trauerzug einen halben Kilometer und der Friedhof konnte die Trauergeste nicht fassen (Nach der Notiz vom Jan Burek, dem ältesten Einwohner von Nowy Kamień – 1989). Es gibt noch ein Familiengrab aus Stein in der Form eines Kegels [Seule?] mit zerstörten, zerschlagenen Schriften – es ist das Grab der Familie Rothaug. I... Rothaug +1930 Barbara Rothaug +1935. [Es ist das Grab von meinem Ur-Großvater Johan Heinrich Rothaug *1 August 1851 +15 Juni 1930 und seiner zweiten Frau Barbara Rothaug geb. Schmidt *20 April 1869 +1935] Nur so viel konnte man von dem Stein abschreiben. Auf der Nordseite, auf einer Familiengrabstelle liegt ein Grab aus dickem Gusseisen in drei Stücke zerbrochen, mit Spuren von vielen Schlägen, mit Mühe konnte man einige Buchstaben abschreiben... Roth... nach dem Stil gehört es zur zweiten Generation. Der Evangelische Friedhof in Steinau wurde 178 Jahre benutzt – das letzte Begräbnis von Frau Porth wurde im Jahr 1952 vom Pfarrer Kubisz von der Evangelischen Kirche zu Krakau zelebriert (Nach der Aussage von Frau Matylda [Mathilde] Schneikart – Hanau 7 Juni 1992).
Alte Friedhöfe Zeugen der Vergangenheit
Hier, wo heute Nowy Kamień liegt gab es vor 1774 Sandige- und Halbbrachfelder. Ohne Vorfahren gibt es keine Geschichte, ohne Historiebasis gibt es keine Vergangenheit. Ohne Kolonisten und ihren Nachkommen, ihren Materialeinsatz und schwerer physischer Arbeit hätte es Steinau nicht gegeben. Ohne Steinau hätte es Nowy Kamień nicht gegeben. Alle und Überall – Friedhöfe sind mit Gebeinen von vielen Generationen geheiligte Stätte. Man sollte die Spuren der Friedhofskultur nicht ohne Betreuung lassen. Lassen wir nicht zu die alte Friedhöfe zu zerfallen, sie sind Zeugnisse der Vergangenheit. Entweihung der Friedhöfe ist die Barbarei und Vandalismus des 20 Jahrhunderts.“
Am 19 Oktober 2003 wurden die Renovierungsarbeiten abgeschlossen. An der Eröffnungszeremonie haben Pastor Pawel Badura, sowie Pfarrer Tadeusz Waldemar Kraus, dessen Vorfahren in Steinau lebten teilgenommen.
An den restlichen Grabmälern werden die Renovierungsarbeiten noch durchgeführt.
"Zur Chronik von Steinau
Nachtrag
Ldsm. Johann Reinberger hat mit der Verfassung der Chronik seines und meines Geburtsortes eine große Leistung vollbracht. Die mühevolle Zusammenstellung der vielen Daten sollte nicht als abgeschlossen gelten, ohne noch eines Mannes zu gedenken, der aus Steinau stammt, durch seine Schulwandkarten und Atlanten berühmt wurde, Steinaus größter Sohn genannt werden muß und somit allen Galiziendeutschen zur Zier und Ehre gereicht: Johann Georg R o t h a u g, geboren am 11. November 1850 in Steinau Nr. 26, gest. am 4. März 1924 in Korneuburg bei Wien.
Nach dem Besuch der Dorfschule kam Rothaug zur Erlernung der Gerberei ins Nachbarstädtchen. Seinem Wissensdurst genügte dieses Gewerbe gar nicht, durch die Empfehlung des Superintendenten konnte er in die neu entstandene evang. Lehrerbildungsanstalt in Bielitz eintreten und das Reifezeugnis erlangen. Die erste Anstellung fand er in Prag, wo er auch Vorlesungen an der Universität besuchte. Dann kam er nach Wien, wurde Bürgerschullehrer, Mitarbeiter an Fachzeitschriften und Verfasser von Lehrbüchern. Rothaug schuf moderne Atlanten und Wandkarten mit neuer Farbengestaltung und führte später auf den Karten die schräge Beleuchtung als erster in Österreich ein. Sein neuer Globus wurde patentiert, seine Karten werden heute noch (mit geänderten Grenzen) gedruckt. Für die hier nur zum Teil angeführten und sonstigen vielseitigen, wegweisenden Arbeiten und Verdienste verlieh ihm um die Jahrhundertwende Kaiser Franz Josef die Titel „Schulrat" und „Professor".
Ldsm. Rothaug war in erster Ehe mit Amalia Türk aus Bielitz vermählt, in der zweiten mit Elisabeth Günther aus Steinau. Der ersten entsprossen 4 Mädchen und l Sohn, der zweiten l Sohn und l Tochter Elfriede, die mit Dr. Dipl.-Ing. Erich Schilcher in Klosterneuburg bei Wien verheiratet ist. Zwei Töchter aus der ersten Ehe leben noch, 81 und 84 Jahre alt, der Sohn Dr. Rudolf R. war Mittelschulprofessor und starb 1948, dessen Sohn ist Arzt in Niederösterreich. Es wäre noch viel über J. G. Rothaug aus Steinau zu berichten. Alle deutschen Lehrer in Galizien und ganz Österreich haben seinen Namen und seine Karten gekannt, einige noch lebende ihn auch persönlich, alle werden seiner Größe, Hochachtung Verehrung zollen, wir Steinauer dürfen stolz auf ihn sein.
Fr. Rollwagen"
"Johann Georg Rothaug
Von Fritz Schneikart und Fritz Rollwagen
Viele von uns Älteren werden sich aus ihrer Schulzeit noch erinnern, dass sie auf den Schulwandkarten die Angaben lasen: Verlag Freytag & Berndt in Wien und bearbeitet von Johann Georg Rothaug. So vertraut uns auch der Doppelvorname des Kartenbearbeiters erscheinen mochte: nur die Eingeweihten, d. h. die Lehrer und die sonstigen Gebildeten, wussten, dass Rothaug aus einer deutschen Siedlung in Galizien stammte und dass seine Wandkarten, Atlanten und Globen in der weiten Welt verbreitet waren. Die kartographischen Erzeugnisse des Wiener Verlages erschienen nämlich nicht nur in deutscher Sprache, sondern auch in den anderen Sprachen der Donaumonarchie, ja auch in bulgarischer, russischer, englischer, französischer und spanischer Sprache.
Rothaugs Geburtsort ist die westgalizische Kolonie Steinau. Als unser Hannjörg am 11. November 1850 geboren wurde, war Steinau noch eines der... [weiter]

Steinau. (Sterbefall.) Am Sonntag, den 15. Juni l. Js.
verschied nach kurzem schweren Leiden Herr Johann
Heinrich Rothaug, einer der Ältesten und Presbyter der
Gemeinde. Obwohl schon nahezu 80 Jahre alt, war der Verstorbene
noch immer rüstig und stark, so daß er alle, auch die
schwerste Arbeit in Feld und Wirtschaft verrichtete. Er war ein
Mann der Arbeit, unermüdlich und fleißig, hierbei still und gutmütig,
freundlich und gefällig gegen jedermann. Von den acht
zurückgebliebenen Kindern - sie sind alle schon erwachsen -
konnten zwei Söhne, die in der Ferne weilen, am Begräbnis
ihres Vaters nicht teilnehmen, welcher am 17. Juni laufenden Jahres unter
zahlreicher Beteiligung auch Andersgläubiger stattfand.
Die zurückgebliebene Witwe und die Kinder sind über den so unerwarteten
Verlust schmerzlich betrübt; ein glaubensvolles Schauen aber
nach der Stätte, da der Tote zu seiner Ruhe eingegangen,
kann sie trösten.
Ostdeutsches Volksblatt 10. August 1930 Folge 32
Schriftleitung und Verwaltung Lwów (Lemberg) Zielona 11
[Auszug, Abschrift]

Einsiedlerhaus in Steinau
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